An das Unbekannte

Meine Eltern pflegten die Kultur, ein spontanes Aufmachen,
Sie riefen: Kinder, packt eure praktikablen Sachen.
Denn morgen geht es, wir fahren,
dahin, wo wir ganz bestimmt noch nicht waren.
...
Im goldenen Malerwagen unterwegs, nicht angegurtet,
flossen die zerknautschen angestauten Worte aus uns,
die über 120 Km/h schnellen Autobahnränder an uns vorbei,
hier zerrann der allmorgendliche Stunk um das drei Minuten Ei.
...
Wieder zu Hause in den vollgestopften vier Zimmern,
liess ich die Eindrücke auf die fototapezierten Wände los,
ein kurzzeitig willkommenes Chaos des Unbekannten,
das auf meinem wachsübersäten Fenstersims aus Holz
Platz nahm und mit den gestrigen Aufzeichnungen zusammenschmolz.
...
Auch heute sind wir in Bewegung,
immer weniger mit versteckten Worten,
kneten die wächserne Erinnerung, unterwegs zu den Orten,
die wir gestern noch nicht wussten,
dass wir morgen da sein werden.


Lyrischer Versuch, Orte der Kindheit - Lehrgang literarisches Schreiben, Volkshochschule Zürich, 2022